Kritische Gedanken ...

10 Jahre Landshuter Tafel – (k)ein Grund zu feiern !?

Wenn es einen Grund zum Feiern gibt, dann nicht, dass die Tafel innerhalb der letzten 10 Jahre wachsende Besucherzahlen, sprich, mehr Kunden gewonnen hat, - denn es ist eine Schande, dass es Menschen gibt, die am Essen sparen müssen, um sich dadurch einen finanziellen Spielraum zu ermöglichen.

 

Es kann auch kein Grund sein, sich von den Zulieferfirmen feiern zu lassen, profitieren sie ja von dieser Art der  „Abfallentsorgung“. 

 

  • Dankbar kann man lediglich all denjenigen sein, die die Tafelarbeit durch ihr Engagement, also ihre ehrenamtliche Tätigkeit und ihre Spenden ermöglichen.

Diesen Menschen gebührt Dank und Anerkennung für ihr Engagement. Den Beitrag dieser Bürger zum sozialen Ausgleich und sozialen Frieden in unserer Stadt zu würdigen, ist der einzige Grund zu feiern. Daher ist das 10 Jährige Jubiläum zu Recht ein Anlass, dass sich die Initiatoren und für die Ehrenamtlichen der Landshuter Tafel feiern lassen, denn sie helfen Menschen.

 

Ansonsten ist die Existenz einer Institution wie die der  Tafeln, die mittlerweile weit über den Lebensmittelsektor (z.B. Spielzeugtafeln oder Kulturtafeln) hinausreichen, kein Grund zu feiern; vielmehr ein Grund sich zu schämen!

 

Die ersten Tafeln wurden  1993 gegründet. Mit dem Inkrafttreten der Hartz IV - Gesetzte im Januar 2005 schossen die Tafeln bundesweit wie Pilze aus dem Boden. Auch die Landshuter Tafel wurde zu dieser Zeit ins Leben gerufen. Zwischen 2003 und 2006 hat sich ihre Anzahl verdoppelt. Inzwischen gibt es in Deutschland über 900 Tafeln mit mehr als 3.000 Tafel-Läden und Ausgabestellen bundesweit.

  • Die Tafel unterstützen regelmäßig ca. 1,5 Millionen bedürftige Personen, davon 30% Kinder und Jugendliche, 53% Erwachsene im erwerbsfähigen Alter (v.a. ALG-II- bzw. Sozialgeld-Empfänger, Spätaussiedler und Migranten) und 17% Rentner.

Besorgniserregend ist die steigende Anzahl bedürftiger Kinder und Jugendlicher, die mittlerweile in eigenen  Kinder- und Jugend-Tafelprojekten versorgt werden.  

  • Rund jeder Zehnte in Deutschland lebende Mensch ist auf existenzsichernde finanzielle Hilfen des Staates angewiesen.

Davon sind ca. 1,9 Mio. arbeitslose Hartz IV Bezieher (2012) - 2,5 Mio. Arbeitnehmer mit Hartz IV Aufstockung (2012) - 1,64 Mio. Kinder & Jugendliche im Hartz IV Bezug (2014) und 500.000 Rentner in Grundsicherung (2014) (Quelle: Bundesverband Deutsche Tafel e.V.)

 

Zehn Jahre Tafel bedeuten in diesem Zusammenhang  zehn Jahre völliges Versagen des Sozialstaates. Es bedeutet, dass die Politik seit 10 Jahren Armut als alternativlos zementiert.  

  • Der Tag, an dem die Tafeln nicht mehr benötigt werden, der wird ein wirklicher Tag zum Feiern sein! 

 

Sabine Hartig

Dipl.-Sozialpädagogin 

Ehrenamtliche Tafel-Mitarbeiterin der ersten Stunde